Richtige Ernährung von Kindern mit ADHS
(Aufmerksamskeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)


Jeder kennt ihn, nicht nur aus dem Märchen: den Zappelphilipp. Was bei den meisten Kindern ein natürlicher Bewegungsdrang ist, kann auch extreme Formen annehmen: man spricht dann vom hyperaktiven Kind. Diese Hyperaktivität ist jedoch nur eine Erscheinungsform bzw. ein mögliches Symptom einer komplexen Verhaltens- bzw. Aufmerksamkeitsstörung. Hinzu kommen häufig eine aggressive Verhaltensweise bei den betroffenen Kindern, Kontaktschwierigkeiten und Konzentrationsschwäche.
ADHS, d.h. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist die aktuelle Bezeichnung für diese Krankheit. Die Bezeichnung als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung macht deutlich, dass Aufmerksamkeit das Hauptproblem der betroffenen Kinder darstellt. Hyperaktivität im Verhalten kann, aber muss nicht hinzukommen. Man spricht im anderen Fall von den "Träumern", die weit weniger auffallen als die Zappelphilippe aber ebensolche Probleme haben, sich zu konzentrieren und bei der Sache zu bleiben.
Es gibt zahlreiche Therapieansätze die mehr oder weniger erfolgsversprechend sind. Sowohl bei Krankheitsursache als auch bei der Behandlung gibt es mehr offene Fragen als Antworten. Eltern von ADHS-Kindern stehen daher vor einer Flut von zum Teil widersprüchlicher Informationen. Bei der ADHS handelt es sich um eine komplexe Störung, die ganzheitlich betrachtet werden muss. Auch wenn nicht ein bestimmter Nahrungsbestandteil für die Störung verantwortlich gemacht werden kann, ist eine Überprüfung des Ernährungsverhaltens und gegebenenfalls die Umstellung auf eine vollwertige allergenarme Kost notwendig.

Mögliche Ursachen in der Ernährung
Von verschiedenen Seiten werden unterschiedliche Ernährungsfaktoren für die ADHS verantwortlich gemacht. Zum Teil wird auch jegliche Ernährungsabhängigkeit bestritten. Eindeutig nachgewiesen ist bisher nichts, allerdings haben zahlreiche Eltern positive Erfahrungen mit Ernährungstherapien gemacht. Ein Versuch lohnt sich allemal. Überlegen Sie sich jedoch vorher was Sie sich und Ihrem Kind zumuten können, denn durch Druck und Stress wird die ADHS sicher nicht besser!
  • Phosphat: Der Phosphatgehalt unserer Nahrung hat sich mit zunehmender Technisierung stark erhöht. Phosphate sind nämlich als Zusatzstoffe für viele industriell hergestellte Nahrungsmittel fast unentbehrlich. Sie helfen bei der Konservierung, dienen als Emulgatoren, werden bei der Wurstherstellung benötigt, sind als Backtriebmittel zu verwenden und vieles mehr. Viele tierische Produkte, z.B. Fleisch enthalten natürliches Phosphat. Gleichgültig ob Phosphat für die ADHS von Bedeutung ist oder nicht - die Vermeidung phosphatreicher Nahrungsmittel ist ein Schritt in Richtung vollwertiger Ernährung, da der Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln sowie der Fleischkonsum verringert wird.
  • Zitronensäure: Zitronensäure (E 330) wird als Zusatzstoff in vielen Lebensmitteln eingesetzt. Naturgemäß findet Sie sich auch in Zitronen und anderen Zitrusfrüchten. Achten Sie darauf, ob Zitronensäure bei Ihrem Kind die Symptomatik verschlimmert und vermeiden Sie sie gegebenenfalls.
  • Zucker: Die Aufnahme von Zucker in jeder Form (Süßigkeiten, Kuchen, Desserts usw.) sollte verringert werden. Kohlenhydrate sollten vorwiegend in komplexer Form (Vollkornprodukte, Obst, Gemüse) aufgenommen werden. Starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und deren möglichen psychischen Auswirkungen wird so entgegengewirkt.
  • Nahrungsmittelallergie: Eine Nahrungsmittelallergie kann zumindest eine Mitursache für die ADHS sein. Eine vorübergehende Umstellung auf allergenarme Kost (Vermeiden von Hühnerfleisch, Eiern, Hühnereiweiß, Zitrusfrüchten, Milcheiweiß, Nüssen u.ä.) ist einen Versuch wert. Beobachten Sie, wie Ihr Kind auf verschiedene Lebensmittel reagiert und passen Sie den Speiseplan dann individuell an.
  • Vollwertige Ernährung: Eine vollwertige Ernährungsweise kann zwar nicht unbedingt die ADHS vermeiden oder heilen, sie wirkt sich aber (sofern sie nicht in Zwang und Druck ausartet) sicher positiv auf andere Therapieansätze aus. eine gute Grundlage für langfristige Gesundheit.
Beachten Sie folgende Hinweise für eine vollwertige Ernährung
  • Bevorzugen Sie naturbelassene, wenig verarbeitete Lebensmittel. So reduzieren Sie automatisch die Aufnahme synthetischer Zusatzstoffe.
  • Essen Sie täglich Rohkost, Gemüse und verschiedene Obstsorten. Falls Sie den Eindruck haben, dass gegartes Gemüse besser vertragen wird achten Sie auf vitaminschonende Zubereitung.
  • Servieren Sie Fleisch und Fisch nur in kleinen Mengen und nicht täglich.
  • Bevorzugen Sie hochwertige pflanzliche Fette (z.B. Sonnenblumenöl, Keimöle). Seien Sie sparsam mit Fett.
  • Vermeiden Sie Zucker (der nicht durch Süßstoffe ersetzt werden sollte!) und Süßigkeiten. Auch Honig sollte sparsam eingesetzt werden. Wenn Zucker, dann nur geringe Mengen.
  • Bevorzugen Sie Vollkornbrot und andere Vollkornprodukte. Vermeiden Sie Auszugsmehl und daraus hergestellte Backwaren und Brot.
  • Halten Sie die Schadstoffbelastung durch die Nahrung gering. Kaufen Sie unbehandeltes Obst und Gemüse und achten Sie auf biologische Erzeugung. Übrigens: Viele Düngemittel enthalten ebenfalls Phosphat.
  • Kinder sollten generell keinen Alkohol trinken. Bei hyperaktiven Kindern gilt das in verstärktem Maße, unter Umständen bis über die Volljährigkeitsgrenze hinaus.
  • Setzen Sie Ihr Kind möglichst keinem Zigarettenrauch aus. In der Wohnung sollte generell nicht geraucht werden. Verhindern Sie, dass Ihr Kind raucht - nicht durch Drohungen oder Strafen, sondern indem Sie selbst ein entsprechendes Vorbild sind.



Diese Seite ist für eine Auflösung
von mindestens 1024x768 optimiert
Dr. Roland Plessl
Dienergasse 1
4210 Gallneukirchen
ordination@plessl-med.at
07235/64332